Ur-Rechtsschutz in Frankreich - Entwicklung des Rechtsschutzes in Europa

Die Rechtsschutzversicherung ist historisch gesehen eine relativ junge Sparte, die im Jahre 1917 in Le Mans gegründet wurde. Nach einer Reihe schwerer Unfälle während der heute noch berühmten Autorennen entstanden erhebliche Probleme, die Ansprüche geschädigter Zuschauer gegen die damaligen Veranstalter bzw. ihre Versicherer durchzusetzen. Dies führte zum Konzept der Rechtsschutzversicherung nach dem Prinzip einer „Versicherung gegen die Versicherungen“ (contre-assurance).

Bereits im Mittelalter lassen sich die ersten Vorläufer der Rechtsschutzidee finden, die sich in der Eideshilfe der altgermanischen Schutzgilden manifestiert. Als die Gilden im Frühen Mittelalter gegründet wurden, gab es keinen Sozialstaat, keine gesetzlichen Absicherungen in Notfällen, keine Paragraphen, die im Berufs- und Wirtschaftsleben die Interessen des Einzelnen schützen. Selbsthilfe war die beste Hilfe. Es bildeten sich Zusammenschlüsse, deren Mitglieder einander Unterstützung bei Eintritt bestimmter Tatbestände gewährten.

Anfang des 19. Jahrhunderts setzte in Frankreich die Gründungswelle der so genannten „Contre-Assurances“ (Gegen-Versicherung) ein. In diesem Zusammenhang entstanden Gesellschaften, die – gegen Zahlung einer Prämie - Gerichtsverfahren gegen Versicherungsgesellschaften führten oder einen Teil der Kosten in den Fällen übernahmen, in denen das Gerichtsverfahren verloren wurde. Es handelte sich jedoch hierbei nicht um Versicherungsverträge, wie aus einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahre 1824 hervorgeht, sondern um reine Geschäftsführungsverträge.

Das eigentliche Geburtsjahr der modernen Rechtsschutzversicherung kann auf 1917 datiert werden. In diesem Jahr wurde abermals von den französischen Rechtsschutz-Pionieren, auf Initiative des Leiters des Automobilclubs des Westens, eine Vertragsgesellschaft auf Gegenseitigkeit in Le Mans gegründet. La Défense Automobile et Sportive (DAS) bot  Autofahrern und Sportlern Dienstleistungen und die Deckung von Rechtsverfolgungskosten an.

Die DAS war ein Erfolg – und zwar der erste dieser Art in Europa – und die Idee einer Versicherung für Rechtsstreitigkeiten resultierend aus Verkehrsunfällen verbreitete sich in gleichem Maße, in dem die Motorisierung voranschritt.

Nach und nach wurden in den verschiedenen Ländern Europas Rechtsschutzversicherer gegründet, die sich alle mit dem Rechtsschutz im Umfeld der zunehmenden Motorisierung befassten. Im Laufe der Zeit kamen weitere Rechtsgebiete hinzu, die von den Rechtsschutzversicherern erschlossen und zum heutigen umfassenden Rechtsschutz im privaten-, beruflichen- und Verkehrsbereich entwickelt wurden.

Innovationsmotoren der Rechtsschutzentwicklung sind jene Versicherer, die sich auf Rechtsschutz spezialisiert haben. Gerade diese Gruppe der Rechtsschutzversicherer übernimmt die Aufgabe, für den Verbraucher und „Rechtskonsumenten“ Rechtsschutzangebote bereit zu stellen, die seinen heutigen Bedürfnissen entsprechen und ihm einen optimalen und uneingeschränkten Schadenservice garantieren. Dabei sind die Rechtsschutzversicherungen  nicht nur die Zahlmeister im Schadenfall, sondern sie unterstützen ihre Kunden mit Rechtsrat und Tat als Dienstleister. Sie stellen sich hinter ihn oder an seine Seite. Diese besondere Ausrichtung erfüllen insbesondere die auf diese eine Sparte spezialisierten Rechtsschutzversicherer, die ohne die Gefahr von Interessenskonflikten ihr komplettes, uneingeschränktes  Versicherungs- und Dienstleistungsangebot ihren Kunden überlassen können. Im heutigen europäischen Wettbewerb sind sie für den Verbraucher die richtige Wahl.

Die Rechtsschutzpioniere bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

1897 in Paris (F) wird als Vorläufer der Rechtsschutzversicherung die Gesellschaft auf Gegenseitigkeit Le Sou Medical gegründet, die die Verteidigung  von Ärzten zum Ziel hat, die wegen ärztlicher Kunstfehler verfolgt werden.

1917 in Le Mans (F) wird La Défense Automobile et Sportive (DAS) gegründet. 

1922 in Le Havre (F) wird dem Beispiel der DAS folgend La Défense Civile gegründet. Ende der 90er Jahre fusionierte sie und die Juridica wurde ins Leben gerufen. (heute Axa-Gruppe)

1924 in Mailand (I) wird die ABA-AG gegründet, die Autofahrern auf juristische Dienstleistungen gerichtete Verträge anbietet. 1994 wird sie vom Kompositversicherer SARA übernommen.

1926 In Genf (CH) werden die CAP Rechtsschutzversicherung gegründet und die DAS, letztere unabhängig von der DAS Frankreich (heute D.A.S. München Gruppe).

1927 In Brüssel (B) wird die DAS gegründet (heute D.A.S. München Gruppe)

1928 In Berlin (D) wir auf Initiative der schweizerischen DAS der Deutsche Automobil Schutz gegründet, dessen Sitz nach dem 2. Weltkrieg nach München verlegt wird. 

1932 In Barcelona (E) wird auf Initiative der CAP Schweiz eine GmbH gegründet, die im Jahre 1934 zur CAP Internacional Versicherungsgesellschaft (heute ARAG Spanien) wird. In Turin wird die UCA gegründet, die 1935 zur Versicherungsgesellschaft wird. 

1933 In Bern (CH) wird die Protekta gegründet.

1935 In Brüssel (B) wird Les Assures Reunis gegründet.
In Düsseldorf (D) wird die ARAG gegründet.

1937 In Paris (F) wird die Societé Francaise de Recours (SFR) gegründet, die ihren Kunden unmittelbare Dienstleistungen und die Kostendeckung mit Hilfe eines Rückversicherers    anbietet.

1938 in Zürich (CH) wird die SCHUTZ gegründet, die in den 60er Jahren von der ARAG übernommen wurde. Die ARAG fusionierte in den 90er Jahren mit der WINTERTHUR RECHTSSCHUTZ.

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